Hintergrund der Schulung war es, die Vertreter/innen der Vereine und Übungsleiter/innen für den Kinder- und Jugendschutz zu sensibilisieren. Denn Kinderschutz und Kindeswohl werden immer ein wichtiger Bestandteil des Sport- und Verbandswesens sein.
Die ehrenamtliche Arbeit mit Menschen ist mit großer Verantwortung verbunden. Je mehr der Jugendschutz im Vordergrund steht, desto mehr Vertrauen haben die Eltern und überlassen ihre Kinder dem Verein.
Fragen wie: Darf ein Trainer ein Kind anfassen, um beispielsweise bei dem Schützen den Anschlag zu korrigieren? Um sicherzugehen, sollte man immer vorher fragen. Bei Jugendlichen, die schon länger im Verein sind, können Trainer oft besser einschätzen, ob eine Berührung ohne vorheriges Fragen in Ordnung ist.
Ebenso ist es bei emotionalen Situationen: Darf man ein Kind nach einem Sieg herzlich umarmen und gratulieren oder nach einer Niederlage trösten? Wie verhalte ich mich, wenn Jugendliche sich in der Umkleidekabine umziehen oder manche sich öffentlich umziehen? Hier ist viel Feingefühl und Sensibilisierung der Jugendlichen wichtig, um heiklen Situationen aus dem Weg zu gehen.
Es kommt natürlich immer auf die Sportart an, aber das Kindeswohl muss immer Priorität haben. Die Teilnehmenden hatten regen Diskussionsbedarf, da jeder bereits eigene Erfahrungen mit dem unbequemen, aber sehr wichtigen Thema gemacht hatte.
Trotz umfangreichster Schutzmaßnahmen kann es im Schießsport zu übergriffigen Handlungen kommen, dann gilt es, Ruhe zu bewahren. Die Trainer und Verantwortlichen müssen dann sofort das Gespräch suchen, sich mit den Eltern in Verbindung setzen und eventuell professionelle Hilfe hinzuziehen.
Durch die Schulung wurden die Trainer und Verantwortlichen noch stärker für die Thematik sensibilisiert.
Am Nachmittag referierten Barbara (Bibi) und Bernd Kathe über Parasport, unter dem Motto „Paraschießen – Anfassen und Begreifen“. Die Themen umfassten Möglichkeiten, Aus- und Fortbildung für Trainer und Betreuer sowie Wege, die Öffentlichkeit zu informieren.
Das Para-Sportschießen ist in der DSB-Sportordnung unter Teil zehn geregelt, eine Klassifizierung mit Hilfsmittelnachweis muss spätestens bei den Landesmeisterschaften vorliegen.
Die verschiedenen Wettkampfklassen unterscheiden sich danach, welche körperliche Beeinträchtigung der Schütze hat. Es wird unterschieden, ob das Sportgerät mit oder ohne Hilfsmittel (Federbock oder Schlinge) gehalten werden kann oder ein Schießstuhl erforderlich ist. Ladehelfer können im Rahmen der Klassifizierung genehmigt werden, wenn die körperlichen Einschränkungen dieses begründen.
Alltägliche Hilfsmittel wie Rollstühle werden von der Krankenkasse bezahlt. Spezielle Hilfsmittel wie Hocker, Schießstühle und Federböcke sind über den Schießsporthandel erhältlich – können aber auch selbst gebaut werden (dabei sind die Regeln der DSB-SpO zu beachten). Schlingen werden bislang meist eigengebaut gemäß DSB-Sportordnung. „Es ist uns leider kein Händler bekannt, der Schlingen verkauft, da hilft nur Eigenbau nach der Sportordnung des DSB“, so Bibi.
Zuschüsse für den Parasport geben die Landessportverbände, für Para-Mittel teilweise sogar mit höheren Sätzen. Weitere Förderquellen sind die Aktion Mensch, private Sponsoren, Stiftungen und Unternehmen. Man kann auch die Zusammenarbeit mit dem Reha- und Behindertensportverband suchen.
„Leider gibt es bisher keine eigene Para-Schießtrainer Ausbildung, da hilft zurzeit nur der Erfahrungsaustausch“, so Bibi. Der DSB plant die Ausschreibung einer Klassifizierer-Ausbildung für Ärzte/Physiotherapeuten mit Schießsporterfahrung.
Der Landessportverband Schleswig-Holstein bietet verschiedene Kurse für Behindertensport an, und der DSB wird demnächst eine Kampfrichter-Fortbildung „Para Sportschießen“ ausschreiben.
Um Para Sport publik zu machen, sollten Veranstaltungen wie das Schützenfest genutzt werden, inklusive offener Para-Trainings; zahlreiche Fragen der Teilnehmer zeigten hohen Informationsbedarf.
Bibi und Bernd zeigten auch die Sportgeräte der Paraschützen sowie das Equipment wie Tisch, Hocker, Messgeräte usw. Der SchV Tornesch hatte eine Anlage zum Blindenschießen aufgebaut, die bei den Teilnehmern auf großes Interesse stieß.
Bernd zeigte auch, wie das Para Schießsportequipment bei einer Ausrüstungskontrolle gemäß DSB SpO Teil 10 kontrolliert wird.
Zur Stärkung gab es zu Mittag Grünkohl satt und Nachtisch, am Nachmittag gab es dann noch Kaffee und Kuchen.







